Als wir 2015 das letzte Mal über das Projekt für die Uferpromenade in Belgrad berichteten, gab es noch Hoffnung, dass ein Wunder geschehen und das Projekt gestoppt werden könne. Jetzt aber sind bereits die Veränderungen zu sehen, die von Korruption, privaten Interessen und Gier durchgesetzt wurden. Diese Kräfte ignorierten das öffentliche Interesse und marginalisierten den Stand der Architektur- und Stadtplaner.
Belgrade Waterfront during construction (2017). © Predrag Bujic
Das Dubai des Balkans
Die Bauarbeiten für die Belgrader Uferpromenade und ihre luxuriösen Wolkenkratzer, Apartments und Einkaufszentren dauern an. Das Gebiet, das aufgrund seines Entwicklungspotenzials für die öffentliche Nutzung von nationalem Interesse war, wurde zum Spielplatz der nationalistischen Regierung Serbiens und ihrer Freunde und Investoren aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie sind entschlossen, Belgrad in das Dubai des Balkans zu verwandeln. Öffentliche Nutzung ist in ihrem Wortschatz nicht geläufig.
Ein Projekt für die Elite
Es gibt viele Gründe für Wut, Protest und Widerspruch, hauptsächlich wegen der Art und Weise, wie das Vorhaben umgesetzt wird: Familien mussten ihre Häuser verlassen, um Platz für die neuen Gebäude zu schaffen. Rechtliche und planerische Unterlagen wurden entsprechend den Bedürfnissen der politischen und finanziellen Entscheidungsträger abgeändert. Lokale Institutionen oder Fachkräfte hatten keinen Einfluss auf das Projekt. Infolgedessen steht nun gesichtslose Architektur in der historischen Stadt. Es gibt keine Transparenz über Finanzhilfen. Die Wohnungen sind für Durchschnittsbürger nicht zu haben: Ein Quadratmeter kostet 7.000 Euro, das durchschnittliche Monatsgehalt im Land beträgt 375 Euro.
Belgrade contradictions. © Aleksandar M. Knezevic
Lassen wir Belgrad nicht untergehen
Die Protestinitiative „Lassen wir Belgrad nicht untergehen“ reagierte immer wieder mit offiziellen Beschwerden, Expertenanalysen und massivem städtischen Widerstand gegen die Unregelmäßigkeiten beim Projekt für die Belgrader Uferpromenade. Die Initiative wird als mutiger Aufschwung in Richtung Demokratie und Zivilgesellschaft gesehen. Ihre Maßnahmen gefährdeten die Umsetzung des Projekts jedoch nicht wirklich.
Protests against Belgrade Waterfront projects. © Ne da(vi)mo Beograd
Wenn wir Sie in Zukunft über die Belgrader Uferpromenade auf dem Laufenden halten, werden wir Ihnen mitteilen, wie es sich anfühlt, zwischen den beiden Welten zu wechseln, dem exklusiven Dubai des Balkans und dem echten, authentischen Belgrad, wo der Durchschnittsbürger sein Geld verdient: Das ist „tough“ und hart im Nehmen, aber es empfängt einen mit offenen Armen.
Text: Vesna Vučinić, GA Belgrade