Das Ethnografische Museum von Napur architect schafft eine neue Eingangssituation am Budapester Stadtpark, reagiert aber auch auf die Lage am Park und die Geschichte des Ortes.
Für die meisten Budapester führt der Weg ins Stadtwäldchen „Liget“ über die berühmte, schnurgerade Andrássy Straße. Dabei ist gar nicht die Andrássy Straße, sondern die Achse Király Gasse – Városligeti Allee der traditionelle Weg vom mittelalterlichen Stadtkern in den über 200 Jahre alten Park. Ursprünglich mündete der Weg in das kreisrunde, von drei Baumreihen umstandene Rondeau und einen damals nicht verwirklichten kleinen Torbau.
Genau dies griffen die Ideengeber des Liget-Projekts auf, als sie 2011 als Endpunkt der Városligeti Allee zwei Museumsbauten, eins für Fotografie und eins für Architektur, vorschlugen, um eine Torsituation zu schaffen. In einer ersten Wettbewerbsrunde konnten zwei würfelartige Bauten die Jury am ehesten überzeugen. Nach einer Konzeptmodifizierung erhielt das Ethnografische Museum hier seinen Standort und ein zweiter Architekturwettbewerb wurde durchgeführt, den im Mai 2016 das Budapester Büro Napur architect von Marcel Ferencz gewann. Die Geste eines umgekehrten Tormotivs überzeugte die Jury am meisten: die historische Achse fand endlich ihren würdigen Abschluss, ebenbürtig und formell verwandt zum Halbrund der Könige am nahen Heldenplatz.