Guiding Architects, article: Frankfurt am Main: Geld regiert die Welt (Fig. 1)

I.G. — Farben-Haus by Hans Poelzig, marking the entrance to the new Goethe University campus. © Andrea Schwappach for “ga frankfurt”

So sangen es bereits Liza Minnelli und Joel Grey 1972 im Film-Musical «Cabaret». Tatsächlich hat sich Frankfurt am Main vor allem dank finanzkräftiger und investitionsfreudiger Bürger und Unternehmen stets aus sich selbst heraus erneuert und neu erfunden. Entsprechende Zeugnisse aus allen baulichen Epochen – neben einigen historischen Bauwerken vor allem jene der Wiederaufbaujahre nach dem Zweiten Weltkrieg und der darauf folgenden Jahrzehnte wechselnder Architekturstile – erzählen die Geschichten wirtschaftlichen Erfolgs oder auch Misserfolgs. Es sind Höhenflüge und Stein gewordene Visionen, Experimente und Versuche etwas zu erschaffen, was es so noch nicht gab oder wiederaufzubauen, was unwiederbringlich verloren schien.

Guiding Architects, article: Frankfurt am Main: Geld regiert die Welt (Fig. 2)

The city of Frankfurt is continuously changing. © Andrea Schwappach for ga Frankfurt

So hat sich die Stadt in den vergangenen 20 Jahren das Mainufer zurück erobert, dessen nordöstlicher Abschnitt seit 2015 durch das neueste Wahrzeichen des Kapitalmarktes, die gläsernen Doppeltürme der Europäischen Zentralbank, geprägt wird. Das vormals schmuddelige Ostend verändert sich derzeit rasant. Neue Quartiere entstehen, mit Namen, die an die industrielle Vorgeschichte erinnern: Schwedler-Caré, Lindley- und Mayfarth-Quartier und neben dem Hafenpark das neue Hafen-Quartier.

Guiding Architects, article: Frankfurt am Main: Geld regiert die Welt (Fig. 3)

Resurrection of the historical city center. © Andrea Schwappach for ga Frankfurt

Auch vor Forschung und Lehre macht das Geld nicht halt. Mit dem Umzug auf das Areal rund um das geschichtsträchtige I.G.-Farben-Haus von Hans Poelzig knüpft die Johann Wolfgang Goethe-Universität an ihre Tradition als erste deutsche Stiftungsuniversität an.

Guiding Architects, article: Frankfurt am Main: Geld regiert die Welt (Fig. 4)

The auditorium building at the Unicampus in Westend. © Andrea Schwappach for ga Frankfurt

Neubau der historischen Altstadt

Selbst die Politik und Stadtverwaltung schreckt nicht vor hohen Ausgaben zurück, wenn es um Stadtmarketing und die Schaffung neuer Kristallisationspunkte lokal wie international anerkannter Stadtkultur geht. Wenn die Erfolgsgeschichte des Museumsufers und die Stadtreparatur am Römerberg mit rekonstruierter Ostzeile als Paten stehen, dann darf die aktuell wiedererstehende historischen Altstadt sich vergleichbarer Effekte erfreuen. In den 1980er Jahren halfen die genannten Projekte das schlechte Image der Stadt nachhaltig zu verändern. Der Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt will dazu beitragen den historisch bedeutsamen Kern der Stadt wiederzubeleben.

Guiding Architects, article: Frankfurt am Main: Geld regiert die Welt (Fig. 5)

Under construction: façade detail of a half-timbered-house. © Andrea Schwappach for ga Frankfurt

Gleichzeitig wird der Kontrast zwischen himmelstürmenden Hochhäusern, die ein Teil der Frankfurt Identität geworden sind und der Sehnsucht nach urbanen Qualitäten und einem menschlichen Maßstab manifestiert. Doch vielleicht ist es gerade das, was unsere Städte heute brauchen: das Zusammenspiel von global agierenden Unternehmen und lokalen Akteuren, die bei allem Profitstreben nicht aus den Augen verlieren, das die unverwechselbare Identität eines Standorts ein Wert für sich ist!

Guiding Architects, article: Frankfurt am Main: Geld regiert die Welt (Fig. 6)

The new ECB premises in front of the Frankfurt skyline. © Andrea Schwappach for ga Frankfurt