Guiding Architects, article: Glasgows verzweifelte Gebäude (Fig. 1)

Glasgows urbanes Gebilde ist ein Flickwerk aus Architektur aus vielerlei Epochen. Während der Großteil der Stadt durchaus gedeiht, hat doch eine Reihe von Gebäuden so sehr unter den schwierigen Wetterbedingungen in dieser Stadt gelitten, dass ihr weiterer Bestand gefährdet ist. Zwischen all den bröckelnden Fassaden und blätternden Anstrichen gibt es einige architektonische Juwelen, die dem flüchtigen Betrachter nicht sofort ins Auge fallen. Wir laden Sie deshalb zu einer Tour durch diese Glasgower Straßen ein, um die verborgenen Schätze zu finden.

Seiner Zeit voraus

Guiding Architects, article: Glasgows verzweifelte Gebäude (Fig. 2)

External View of the Lions Chambers from 1912. Author: Courtesy of Historic Environment Scotland

An den Lion Chambers kann man leicht vorbeigehen. Das Grundstück ist nur 10 mal 14 Meter groß. Salmon + Gillespie verwandten Pioniertechnologie für die Errichtung des Gebäudes mit Anwaltskanzleien und Künstlerateliers. Die typischen Materialien für die Stadt um 1907 – Stein und Stahl – beiseite lassend, arbeiteten sie früh mit Stahlbeton und schufen eine Struktur aus 21 durchlaufenden Säulen mit nicht-tragenden Betonplatten dazwischen, die bloße  100mm dünn sind. Damals war es erst das zweite Gebäude überhaupt in Schottland, das diese neue Technologie benutzte. Die einstige Innovation ist heute sein Verderben: An der vor Ort betonierten Fassade stellen Reparaturen eine größere Herausforderung dar, und moderne Umweltstandards sind schwer herzustellen.

Zweitbester

Guiding Architects, article: Glasgows verzweifelte Gebäude (Fig. 3)

The exotic use of classical motifs on the façade of The Egyptian Halls. Author: Courtesy of Historic Environment Scotland

Alexander ‘Greek’ Thomson gilt als zweiter der am meisten bekannten Architekten Glasgows, nach dem berühmteren Charles Rennie Mackintosh. Seinen Gebäuden wurde sicherlich nicht so viel Zuwendung zuteil. Die Egyptian Halls, vollendet 1872, sind bekannt als die besten kommerziellen Gebäude des Architekten. Die außergewöhnliche Fassade verbindet eine Vielzahl klassischer Elemente wie griechische Säulen, römische Gesimse und pseudo-ägyptische Kapitelle. Doch momentan herrscht Leerstand unter dem schützenden Gerüst, bis über ihr Schicksal entschieden wird. Thomsons anderen Gebäuden ist es nicht viel besser ergangen: Die Caledonia Road Church mit ihrer fein ausbalancierten Komposition aus griechischem Tempels und wunderbarem Turm ist nur noch ein Fragment ihrer selbst seit einem Brand im Jahre 1965.

Guiding Architects, article: Glasgows verzweifelte Gebäude (Fig. 4)

The now ruinous Caledonia Road Church by Alexander ‘Greek’ Author: Courtesy of Page and Park Architects

Es ist nicht nur trüb und düster…

Wir fühlen uns aber ermutigt von jüngeren Projekten, bei denen sich Architekten der Herausforderungen dieser “verzweifelten” Gebäude stellen. Page and Park arbeiten an der Erhaltung vieler solcher vernachlässigten Stätten, darunter The Kelvingrove Bandstand, eine Open Air Bühne im Westend, dessen Originalbestand in mühevoller Kleinarbeit wiederhergestellt und für das 21ste Jahrhundert ertüchtigt wurde.  Ein größeres Projekt ist das verlassene, modernistische St Peter’s College von Gillespie, Kidd and Coia, das vom Kunstverband auf spektakuläre Weise umgebaut wird und das hoffentlich bald eröffnet.

Guiding Architects, article: Glasgows verzweifelte Gebäude (Fig. 5)

Hinterland at St Peter’s Seminary by NVA. Author: Courtesy of NVA.

Wir möchten Sie ermutigen, einen zweiten Blick auf diese verschmähten Bauten zu wagen. Sie werden Schönheit finden in den Ruinen und Charakter im wettergegerbten Äußeren.

Text: Dress for the Weather